• Olivia Grove

Gastrezension von Andrea Benesch zu Lilly M. Beck: "FREIWILLIG"

Heute gibt es einen Gastbeitrag von der zauberhaften Andrea @federundeselsohr !

Viel Spaß beim Lesen!

"In meinen Augen ist sie ein Plädoyer für Toleranz und dafür, herauszufinden was frau wirklich will." Zitat Andrea ❤


Ihre Original-Rezi findet ihr auf: https://www.federundeselsohr.de/home/2021/11/7/freiwillig-special-edition-complete-series


 

Autor: Lilly M. Beck Titel: FreiWillig - Special Edition: Complete Series Reihe: FreiWillig Band Nummer: 1-20 Reihe abgeschlossen: ja Verlag: Berlinable Herkunft des Buches: Rezensionsexemplar Format: eBook ISBN: 9783956954719 Seiten: 407

Veröffentlichungsdatum: 16.09.2021 Preis: 9,99€

Klappentext: Von realen Ereignissen inspiriert: In der 20teiligen Kurzgeschichten-Reihe FREIWILLIG dreht sich alles um die Affäre von Hanna* & Gregor* in Berlin. Du bist quasi live beim ersten Date dabei und begleitest Hanna auf ihrem Weg zur Sub. Ist das überhaupt möglich? Eine BDSM-Affäre? Was genau spielt sich zwischen ihnen ab? Eine Art abgefahrene Freundschaft plus? Oder vielleicht sogar sowas wie Liebe? ⁠Klar ist: nichts ist wirklich klar. In den 20 Teilen erwartet dich jede Menge SexyTime und eine ordentliche Portion Gefühlschaos.⁠ *Die Namen wurden für dieses Buch geändert.

 

Rezension

In dieser Buchreihe geht es darum, dem Leser die Unbekannte Welt des BDSM nahezubringen - des echten BDSM. Es geht nicht um das, was man im zurzeit sehr beliebten Genre Dark Romance immer liest, ein dominanter Mann, der seinen Willen durchsetzt, indem er so lange auf seine Partnerin einprügelt, bis diese erstens erkennt, dass sie das total toll findet und zweitens alles tut, was er von ihr will. Das hat nichts mit BDSM zu tun und das arbeitet Lilly M. Beck hier mit jeder Episode immer weiter heraus. Am Beispiel von Hanna und Gregor erlebt man Szenen einer BDSM-Beziehung mit. Man ist dabei, wenn sie beginnt und es wird ganz schnell deutlich, dass nicht der Dom der ist, der das Sagen hat, sondern die Sub. Ihre Unterwerfung ist ihr Geschenk an den Dom, ihr Vertrauen und ihr freier Wille sich in seine Hände zu begeben. Sie bestimmt, was sie bereit ist zu tun und er muss sich im Rahmen dessen bewegen. Die Episoden bilden dabei immer einzelne Szenen ab, man könnte auch sagen, sie stehen für die Schritte in der BDSM-Beziehung. Beide Partner müssen miteinander lernen. Sie müssen ihre Grenzen austesten und entscheiden, wie weit sie bereit sind zu gehen und wie tief ihre „Beziehung“ gehen darf. Wie viel Einfluss darf ihr „Spiel“ auf ihr jeweiliges Leben haben? Und natürlich werden dabei auch manchmal Grenzen überdehnt oder gar überschritten. Aber auch damit muss man umgehen lernen. Im BDSM, das lernt man hier schnell, ist es immer ein Geben und Nehmen und es geht um Vertrauen. Vertrauen, das aufgebaut werden muss und zerstört werden kann. Es geht aber auch um verschiedene Elemente des BDSM. Um Unterwerfung, aber auch um Demütigung und in welchen Maßen sie Lust bereiten oder diese dämpfen kann. Es gibt so viele verschiedene Arten das miteinander auszuleben und es geht immer darum herauszufinden, was beiden Spaß macht. Man kann nicht wissen, was einem gefällt, wenn man es nicht ausprobiert. Hanna und Gregor agieren hier zwar als Protagonisten, aber eigentlich sind sie eher Figuren, die uns durch ihre Augen ihre Welt zeigen sollen. Es geht nicht um sie selbst, ihren Hintergrund oder ähnliches, sie sollen uns nicht bewegen oder mitreißen, sie sollen nur zeigen. Trotzdem erobern sie sich nach und nach mehr Raum in der Geschichte, vor allem Hanna, die versuchen muss, ihr „echtes“ und ihr „geheimes“ Leben unter einen Hut zu bekommen und herausfinden muss, wer sie eigentlich ist. Mir kommt es so vor, als wolle Lilly M. Beck nicht nur mit Klischees und falschen Rollenbildern aufräumen, sondern vor allem die Augen öffnen und Ängste nehmen. Wäre eine derartige Beziehung etwas für einen selbst? Und wenn ja, in welchem Rahmen? Welche Episoden sprechen einen an, welche schrecken einen ab? Kann man es sich vorstellen, die Kontrolle abzugeben und sich in die Hände eines anderen zu begeben? Kann man das erforderliche Maß an Vertrauen aufbringen?

Fazit:

Nicht jede Episode trifft meinen persönlichen Geschmack und oft genug ist auch die Wortwahl nicht meins. ABER was diese Reihe ausmacht, ist viel mehr als das. In meinen Augen ist sie ein Plädoyer für Toleranz und dafür, herauszufinden was frau wirklich will. Lilly M. Beck lässt den Leser immer wieder durchs Schlüsselloch schauen und zeigt, wie es wirklich läuft in einer BDSM-Beziehung. Sie räumt mit Klischees und falschen Vorstellungen auf und zeigt, dass jede BDSM-Beziehung durch die Grenzen und Wünsche der Beteiligten bestimmt wird. Aber auch, dass sich diese verändern können. Nicht jede Idee oder Fantasie gefällt und das muss sie auch nicht. Es geht darum, genug Vertrauen in den anderen zu haben, um Wünsche zu äußern und ehrlich zu sein, ohne Angst haben zu müssen, zu enttäuschen. Aber vor allem geht es darum, deutlich zu machen, dass es bei BDSM nicht um Gewaltausbrüche geht, die mit Sex enden, sondern um viel, viel mehr und an vorderster Front steht Vertrauen. Zunehmend haben Hanna und Gregor mehr Raum eingenommen. Ich hatte immer wieder Probleme mit Hanna – ich konnte ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen und manchmal auch nur den Kopf schütteln. Doch die Message dahinter ist: es geht nicht um Hanna und Gregor. Es geht darum herauszufinden, wer man ist und was man will – nicht nur bezogen auf die eigene Sexualität. Von mir bekommt die Reihe 4 Sterne.

Rezensiert von Andrea B. Lilly M. Beck, Reihe, Rezensionsexemplar