• Olivia Grove

"Ohne Alkohol" von Nathalie Stüben

《 R E Z I 》

"Ohne Alkohol: Die beste Entscheidung meines Lebens: Erkenntnisse, die ich gern früher gehabt hätte" von Nathalie Stüben VÖ: 1. Oktober 2021, Kailash Verlag, München

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Eine wichtige Botschaft – einen Hauch zu oberflächlich beleuchtet





"Es gibt viele Möglichkeiten, Abhängigkeit zu intellektualisieren und zu ästhetisieren, meistens versucht man aber, damit einer unbequemen Wahrheit aus dem Weg zu gehen." Daniel Schreiber in seinem Buch Nüchtern (Zitat S. 52)

Alkohol, das Accessoire der Erwachsenen?

Ich persönlich finde es absurd, dass man sich manchmal noch immer in Gesellschaft (Familie, Freunde, Kollegen) rechtfertigen muss, wenn man keinen Alkohol trinkt. Die Blicke, die einfach nicht glauben können, dass man nicht mittrinkt.

Dies ist wieder eines der wenigen Bücher, die ich innerhalb weniger Stunden durchgelesen habe.

Dennoch stelle ich meinen größten Kritikpunkt direkt an den Anfang: Wir erfahren bis zum Ende nicht, wie genau die Autorin es geschafft hat, abstinent zu werden. Auch von Rückfällen oder Rückschlägen ist keine Spur. Da hätte ich mir ein wenig mehr Seele gewünscht. Dazu noch einen differenzierteren Blick auf die Komplexität des Themas.


Die Autorin zeigt uns ihre frische, persönliche Sichtweise auf die gesellschaftliche Lügengeschichte des Alkohols und schafft somit, dass die Leserschaft Bewusstsein entwickelt und dieses schärft. Dabei bricht sie den Stereotyp des typischen Alkoholikers auf und präsentiert uns, dass die Sucht mitten unter uns ist. Alcohol is a hell of a drug und es existiert ein riesengroßer Graubereich zwischen Genusstrinken und körperlicher Abhängigkeit.

Alkohol ist eine der schlimmsten Drogen und sollte nicht die gesellschaftliche Akzeptanz haben, die er hat. Denn der einzige Unterschied zwischen Alkohol und anderen Drogen ist, dass Alkohol legal ist.

Noch immer ist er ein blinder Fleck der Gesellschaft und wird weggelächelt, doch gleichzeitig wird hitzig über die Gefahren von Plastikflaschen und Feinstaub diskutiert.


Nathalie hat mit ihrem Buch einen Nerv getroffen und den Dialog über dieses heikle Thema salonfähig gemacht. Ich sehe diese Lektüre als persönlichen Erfahrungsbericht. Es stellt ihre individuelle Sichtweise dar – mit Weichzeichner, denn ich vermisse ihren Weg raus aus der Sucht, den Alkoholroutinen, ihrem Kampf mit Abhängigkeit und Symptomen. Weiterhin werden sich viele Betroffene sicherlich nach Hilfestellungen, Tipps und Lösungsvorschlägen sehnen, die dieses Werk nicht bietet. Dennoch ist "Ohne Alkohol" eine interessante Lektüre, die informativ und ehrlich geschrieben ist. Empfehlenswert!

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Und wie stehe ich persönlich dazu?

Irgendwann gingen mir die Fragen, ob ich ein Gläschen mittrinken möchte, so sehr auf die Nerven, dass ich beschloss, nicht mehr lieb und nett ja zu sagen – sondern konsequent nein. Ein Zeichen setzen. Für mich fühlt es sich bedeutungsvoller an, für immer nein zu sagen, als immer mal wieder ja zu sagen. Somit gehöre ich vermutlich zum "Sobriety-Movement", wie ich jetzt gelernt habe. Das "Sober Movement" aus den USA propagiert ein Leben ohne Alkohol. Nun kommt der Nüchternheits-Trend scheinbar auch hierzulande an. Die Message: völlige Abstinenz als eine Facette des gesunden Lifestyles.


⭐⭐⭐,7 ~~

Immer mehr Menschen stellen den Verzicht auf alkoholische Getränke in den Mittelpunkt ihres gesunden Lifestyles. #SoberCuriosity #SoberCurious

• • • кℓαρρєηтєχт:

//Ein Leben ohne Alkohol bedeutet keinen Verzicht. Es bedeutet Freiheit. „Ein spannendes, glänzend geschriebenes, sehr persönliches, mutiges und optimistisches Buch.“ Prof. Dr. Michael Soyka, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Alkoholismusforscher Deutschland ist eine Alkohol-Nation: Rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland trinkt regelmäßig bis zum Rausch, ca. 1,6 Millionen sind abhängig. Ein breites gesellschaftliches Problem – und doch fühlen sich Betroffene oft orientierungslos und alleingelassen. Habe ich überhaupt ein Alkoholproblem, wenn ich nicht täglich trinke? Wieso muss ich mich als Alkoholiker bezeichnen, wenn ich aufgehört habe? Kann ich auch ohne Reha und Anonyme Alkoholiker den Absprung finden? Und ist ein Leben ohne Alkohol nicht langweilig und freudlos? »Ein Leben ohne Alkohol ist schöner und intensiver, als ich es mir je hätte vorstellen können«, sagt Nathalie Stüben, die selbst betroffen war. Die Journalistin räumt nicht nur mit Irrtümern auf, sondern erzählt auch schonungslos von ihren eigenen Erfahrungen. Sie nimmt Betroffenen Scham- und Schuldgefühle und vermittelt Gefährdeten an der Grenze zur Abhängigkeit Klarheit. Vor allem aber ist es ihr Anliegen, das Thema Alkoholabhängigkeit aus der Schmuddelecke zu holen und die Art und Weise zu verändern, mit der in Deutschland über Alkohol diskutiert wird.//

 

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