• Olivia Grove

Rezension: "Aussteiger Storys" von Christian Siry

《 R E Z I 》

"Aussteiger Storys: Von Menschen, die auszogen, ihren Traum zu leben" von Christian Siry

VÖ: 5. Mai 2022, Wenn Nicht Jetzt-Verlag, Lirstal

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Einzigartige Einblicke in das Leben von Menschen, die Träume haben, die größer als ihr Ego sind



"Ja, es bedient viele Klischees, und gleichzeitig löst es sie immer wieder in ihre Bestandteile auf. Ich fühle mich wie Chewbacca, dieser Bären-Hunde-Yeti von Star Wars, in der Taverne auf dem Planeten Tatooine, wo sich jegliches Weltraumvolk auf ein Bier oder ein psychedelisches Tröpflein trifft. Viele bunte Wesen, die in vielen bunten Welten leben und nun einen dicken Farbtupfer ins nordhessische Fachwerk-Schwarz-Weiß klecksen." (S. 149)

Der Autor Christian Siry ist einen Sommer lang in seinem Bus durch Deutschland gereist und hat elf Menschen getroffen, um ihre kunterbunten Lebenskonzepte zu zeigen. Dabei hat er die Welt nicht in ihrer Weite, sondern in ihrer Tiefe ausgelotet und erzählt "vom Aussteigen aus einer genormten Realität und Einsteigen in ein Paralleluniversum, welches dann beginnt zu existieren, wenn wir es für möglich halten." (S. 11)

Beim Lesen hat mich der wundervoll lebendige Schreibstil begeistert, der mich superschnell tief eintauchen ließ. Die einzigartigen Illustrationen von Piwi Howland haben mich zusätzlich jede Seite, auf der sie mich überrascht haben, genießen lassen.

Christian gewährt uns unglaublich spannende Einblicke, bspw. in ein rollendes "Knusperhäuschen", eine Künstlerkommune, einen kreativen Lebensort mitten in der Natur – oder dem Hof der Träume und der Rainbow-Family, in der die vielen Kinder auf einem Hoffest "so wild und frei wirken, wie es auch die Erwachsenen gerne sein mögen". (S. 146)


Besonders bemerkenswert empfand ich auch den exklusiven Blick von Birgit in die Vergangenheit der berühmt berüchtigten Kommune des Gurus Otto Mühl, in der auch mal 70 Leute in einer 120-qm-Wohnung lebten. Die Einzugsbedingung: keine 2er-Beziehung.


"Nichts konnte geheim bleiben, die allseits so hochgeschätzte Privatsphäre war aufgelöst." (S. 113)

Wie der Autor selbst sagt, ist "Aussteiger Storys" kein schillernder Abgesang auf die "noblen Wilden" dieser Zeit, denn wie überall lauern auch auf alternativen Lebenswegen verschiedenster überlappender Realitäten Staub, Rost und Stolperfallen.

Für mich ist dieses Werk ein großes Lesevergnügen, das ich absolut weiterempfehlen kann! Denn es sind Lebenswelten und Geschichten, die in meinem Kopf bleiben – die das Buch in mir nachhallen lassen und ihm eine bedeutsame Tiefe verleihen.


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//Ein Reihenhaus in der Vorstadt, zwei Kinder, ein Nine-to-five-Bürojob – für viele der Inbegriff eines guten Lebens ... Doch nicht jeder passt in diese Norm. Autor Christian Siry reist einen Sommer lang in seinem Bus Paul durch Deutschland und besucht sogenannte Aussteiger in ihren selbstgeschaffenen Lebensnischen.Der Autor lebt selbst in einer Gemeinschaft auf einem Selbstversorgerhof im Pfälzer Wald – doch ist er deshalb ein Aussteiger? Ab wann ist man ein Aussteiger und aus was steigt man denn eigentlich aus? Diese Fragen begleiten ihn auf seiner Reise in die Parallelwelten einiger Lebenskünstler. Auf einfühlsame Weise gibt er einen Einblick in die Freiheit, Unabhängigkeit und tiefe Zufriedenheit der sehr unterschiedlichen Lebensentwürfe, jedoch ebenso in die Probleme, die Mühen, die Schattenseiten, die ein Leben abseits der Normalität mit sich bringt. »Aussteiger Storys« zeigt auf, dass das Spektrum an Lebenskonzepten innerhalb unserer Gesellschaft so viel größer ist, als wir denken, und stellt spannende Persönlichkeiten vor, die den Absprung aus der Norm gewagt haben, um ihren ganz persönlichen Weg zum Glück zu finden. Christian hat auf seiner Reise elf Menschen getroffen, die ihm ihre unterschiedlichen Geschichten vom Aussteigen und Ankommen erzählt haben. Unter anderem:

  • Felix ist mit einem Fahrrad-Zirkus durch die Welt gereist. Anschließend hat er mit anderen ein alternatives Wohnprojekt in Halle gegründet.

  • Karla lebt mit ihren drei Kindern, dem Hund und zwei Hühnern im Bulli und dort, wo es ihnen gerade gefällt. Sie unterrichtet ihre Kinder selbst und bietet ihr medizinisches Fachwissen an, um Menschen zu helfen.

  • Dieter ist der ehemalige Camel-Man. Aus dem Wochenendhaus für seine Familie hat er im Laufe der Zeit ein Seminarhaus in der Eifel geschaffen, einen Ort der Begegnung und zum Kraft tanken.

  • Rouven fährt mit seinem Fahrrad durch Europa, von Biohof zu Biohof, wo er mitarbeitet und viel über Permakultur, Solidarische Landwirtschaft und Gemeinwohl-Ökonomie lernt.//

• • • [unbezahlte Werbung | Reziexemplar]

Illustrationen von @piwi_howland @lovelybooks.de @wnjverlag

 

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