• Olivia Grove

Rezension: "Der fröhliche Nihilist" von Wendy Syfret

《 R E Z I 》


"Der fröhliche Nihilist: Warum unser Leben keinen Sinn hat und weshalb das ein Grund zur Freude ist" von Wendy Syfret VÖ: 18. Juli 2022, Goldmann Verlag

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Sehr seichte Lektüre zeitgenössischer Ideen

"Unser Leben ist eine bedeutungslose Verdrehung des Zufalls, ein Zusammenspiel von Glück und zufälligen Ereignissen. Alles, was wir lieben, ist in irgendeiner Weise ein Trugbild, das bald verblassen und für immer verloren sein wird. [...] Aber zu existieren [...] fühlt sich wie ein so bizarres Geschenk an, dass es überhaupt keinen Sinn mehr benötigt." (S. 225)

Ich hatte mich so darauf gefreut, dieses Buch zu lesen. Geblendet vom eye-catching Cover habe ich auch sofort zugeschlagen und auf einen Anti-Trend des "lebe dein bestes Leben – folge deiner inneren Leidenschaft“ gehofft. Leider wurde ich enttäuscht.

Doch was ist ein Nihilist? Der allgemeine Nihilismus ist eine Weltanschauung, die von der Sinnlosigkeit alles Bestehenden ausgeht. Alle positiven Ideale und Werte werden abgelehnt. Dies ist eine von vielen Definitionen.


Die Autorin plädiert für eine nihilistische Geisteshaltung, die den Kult des Sinns (inkl. des Sinnsucher-Booms) ablehnt und "unsere relative Bedeutungslosigkeit im Universum als positive Realität akzeptiert. Denn wenn das Leben keinen Sinn hat, können wir auch einfach glücklich und gut zueinander sein, oder?"

Dabei verschwendet sie leider zu viel Zeit, um im Buch die Ursprünge dieser Geisteshaltung zu erörtern, ohne dabei wirklich darauf einzugehen, was es denn nun ist. Alles wird in Frage gestellt, Antworten werden jedoch nicht gegeben. Natürlich gibt es, wie bei jeder philosophischen Position, seichte und extreme Formen, daher ist all das nicht so einfach und schnell zu erklären. Dennoch blieb eine sinnvolle Schlussfolgerung aus.

Im Inhalt habe ich die Tiefe gesucht und im Schreibstil die Spannung vermisst, daher hat es mich leider schnell gelangweilt.


Für manche Leser können ihre Interpretationen sicher in manchen Momenten als Trost dienen, doch für mich konnte ich leider nicht viel mitnehmen. Ich habe nichts intellektuell Hochtrabendes erwartet, doch ich hoffte, vielleicht etwas Neues zu lernen, was ich nicht tat.


"Der fröhliche Nihilist" ist für mich keine positiv-rebellische Interpretation einer traditionell negativen Philosophie – eher ein wildes Potpourri wirrer Gedankengänge.

⭐⭐,5


• • • кℓαρρєηтєχт:

//Seit jeher suchen wir Menschen in unserem Dasein und Tun eine Bedeutung, doch gegenwärtig erleben wir einen regelrechten Sinnsucher-Boom, der in alle Lebensbereiche hineinwirkt und uns die Leichtigkeit raubt. Vom morgendlichen Kaffee bis zum Wochenendausflug wird jedes Ereignis optimiert – und das, obwohl es unterm Strich unerheblich ist, wie wir unseren Trendkaffee brühen oder ob wir lieber lesen statt Sport zu treiben. Wendy Syfret nimmt den Druck von uns. Mit viel Witz und Charme plädiert sie für eine nihilistische Geisteshaltung, die den Kult des Sinns ablehnt und unsere relative Bedeutungslosigkeit im Universum als positive Realität akzeptiert. Denn wenn das Leben keinen Sinn hat, können wir auch einfach glücklich und gut zueinander sein, oder?//