• Olivia Grove

Rezension: "Eine unwahrscheinliche Begegnung" von Éliette Abécassis

《 R E Z I 》


"Eine unwahrscheinliche Begegnung" von Éliette Abécassis

Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig.

VÖ: 20.07.2022, Arche Literatur Verlag AG, Zürich, Schweiz

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Pas de deux - Ein Buch wie eine Symphonie


"Warum hefteten sich seine Augen ausgerechnet auf diese Frau? Sie war nicht sonderlich schön. Hatte etwas Merkwürdiges, etwas Verstörendes an sich, das seine Aufmerksamkeit erregte. Etwas, das für ihn bestimmt war." (S. 7)

Ein Buch wie eine Symphonie. Worte die in Zeilen fließen wie eine Melodie.

Der neue 123-seitige Roman von Éliette Abécassis spielt ein sehr spannendes, intelligent tiefsinniges Drama an einem Bahnsteig. Dort, auf dem zwei Leben – die unterschiedlicher nicht sein können – aufeinanderprallen. Sie, die für das politische System arbeitet und an einer Elitehochschule studiert. Ja, sie gehört zu Elite der Nation und er? Er ist der Fremde, "dem Nomade, der auf der Durchreise war, dem Migranten, wie es bei ihnen hieß." (S. 44)


Es sind zwei Fremde, die sich zufällig begegnen und wie Magnete voneinander angezogen werden.


"Ihre dunklen Augen verschlangen sein Gesicht. Es lag etwas Besonderes darin. Ein Schleier verhinderte, dass man in diesen Augen versank. Sie war unerreichbar." (S. 11)

Der Schreibstil von Éliette ist wunderschön und zaubert der Storyline eine filmische Atmosphäre. Für mich als Leserin war es ein höchst exquisiter Lese- und Literaturgenuss dank der lebendigen Szenen, die sich wie in Zeitlupe abspielten.


"Rose, Myrrhe und Sandelholz – Düfte, die ihre Haut verströmte wie Atem und ihn in eine andere Welt beförderten: [...] ein Brückenschlag zu einer Insel, eine windstille Nacht, die Milchstraße, ein unberechenbarer Ozean, der ihn überwältigte und überraschte." (S. 16)

Die Beobachtungen sind geschmückt mit feinsinnigen Details und kunstvollen Vergleichen. Dabei werden die Empfindungen so eindringlich beschrieben, dass ich den Eindruck hatte, das Buch basiert auf reinem Gefühl.


Insgesamt hat mich die Geschichte exzellent unterhalten, denn ich konnte mich ihr voll hingeben.

Mit einem Ende wie ein Paukenschlag!


"Eine unwahrscheinliche Begegnung" ist ein wunderschönes Buch, das unter die Haut geht – eine aufwühlende, ergreifende Geschichte, getragen von Worten hypnotischer Poesie.

⭐⭐⭐⭐⭐

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//Kann ein einziger Augenblick das gesamte Leben verändern? Éliette Abécassis erzählt lebensklug und pointiert von einer ganz besonderen Begegnung: Zwei Fremde stürzen sich Hals über Kopf in ein kurzes, alles veränderndes Treffen. Ein berührender und lange nachhallender Roman über die Liebe und den Zufall, unterschiedliche Lebenswelten und den Mut zu großen Entscheidungen. Irgendwo in Frankreich fährt ein Zug durch die Landschaft. Darin sitzen eine Frau, versunken in Gedanken an ihren Freund, den sie schon lange verlassen will, und ein junger Mann, der weder eine Fahrkarte noch eine Aufenthaltsgenehmigung besitzt. Als an einem Bahnhof alle Reisenden aussteigen, hilft er ihr mit dem Koffer – und sie hilft ihm kurzentschlossen, sich vor der Polizei zu verstecken. Die beiden bleiben am Gleis zurück und merken schnell, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen. Doch ihre Leben und Hoffnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Éliette Abécassis erzählt vom Aufblitzen einer Liebe und von der Sehnsucht nach einem anderen Leben. Die zentrale Frage dieses Romans haben wir uns alle schon einmal gestellt: Kann ein einziger Augenblick alles verändern?//

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