• Olivia Grove

Rezension: "Foucault in Kalifornien" von Simeon Wade

《 R E Z I 》



"Foucault in Kalifornien: Wie der große Philosoph im Death Valley LSD nahm - eine wahre Geschichte" von Simeon Wade

VÖ: 18. August 2022, Kiepenheuer & Witsch

Aus dem Amerikanischen von Tino Hanekamp.

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"Der Himmel ist explodiert, und die Sterne regnen auf mich herab. Ich weiß, dass das nicht wahr ist, aber es ist die Wahrheit." (S. 86)

Fanboys überreden einen weltberühmtem Philosophen, in der Wüste zu trippen?

"Foucault in Kalifornien" beschreibt den Besuch des französischen Star-Philosophen Michel Foucault bei dem jungen Dozenten Simeon Wade in Kalifornien im Frühsommer 1975, der in einem LSD-Trip auf den vielfarbigen Hängen der Artist’s Palette im Death Valley gipfelt – unterlegt mit den Klängen von Bach und Stockhausen.

"Vor uns am Horizont schrammte die Sonne am Gipfel des Telescope Peak entlang und blutete in das 3.500 Meter darunterliegende Tal." (S. 78)

Ich habe es genossen, dieses 174-seitige Buch zu lesen, doch irgendwie hatte ich mehr erwartet. Vermisst habe ich tiefgreifende philosophisch-geisteswissenschaftliche Gedankengänge gemixt mit Fear and Loathing in Las Vegas-Vibes. Vor allem aber hat mir die Trip-Beschreibung gefehlt, die Empfindungen und Eindrücke Foucaults auf seiner Visionssuche. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, als wäre die Geschichte eine Konstruktion, nicht etwas, das tatsächlich so passiert ist. Im Schlussteil wird Foucault gefragt, was er tun würde, wenn er am Pariser Flughafen mit Marihuana im Gepäck erwischt werden würde. Er meint, er würde eine Stellungnahme an das französische Volk abgeben zur Entkriminalisierung dieser Drogen.

"Ich würde auf die Absurdität hinweisen, dass Jungs wegen zwei Gramm eingesperrt werden, während unsere Kultur Alkohol propagiert." (S. 154)

Die im Buch dokumentierte, sagenumwobene Erfahrung mit der "Frucht vom Baum der Erkenntnis" im Death Valley habe Foucaults Denken und seine späte Philosophie nachdrücklich beeinflusst, so glaubt Simeon Wade. Doch vielleicht beruht die geistige Veränderung nicht auf den Halluzinogenen, sondern ist schlicht die Essenz von Foucaults philosophischen Schaffens.


⭐⭐⭐

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//»Ein unvergesslicher Abend mit LSD in der Wüstennacht, mit köstlicher Musik, netten Leuten und etwas Likör« Michel Foucault. Über Foucault ist viel geschrieben worden, doch die Geschichte, die dieses Buch erzählt, war bis jetzt nirgends zu lesen. Aber sie ist wahr: Ihr Autor ist dabei gewesen. Im Frühsommer 1975 folgte der französische Star-Philosoph der Einladung eines jungen Dozenten namens Simeon Wade an dessen Hochschule in Kalifornien. Wade erwies sich als vorzüglicher Gastgeber. Und er überredete sein Idol zu einem Death-Valley-Ausflug, inklusive LSD-Tripp. Foucault selbst beschrieb diesen Tag, an dem er zum ersten Mal Erfahrungen mit der Droge machte, als »eine der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens«. Aus der Begegnung entstand eine langjährige Freundschaft, die sich in einem Briefwechsel niedergeschlagen hat. In »Foucault in Kalifornien« erzählt Wade von seiner Beziehung zu dem damals auf dem Höhepunkt seiner Berühmtheit stehenden Philosophen. Und von dem ganz besonderen Wochenende im Sommer 1975, das sie gemeinsam verbrachten. Sein Buch ist ein ergreifender Bericht über eine Zeit des wilden Denkens und Fühlens, in der Kalifornien auch zu einem Synonym für frei lebbare Homosexualität wurde. Es eröffnet einen spannenden neuen Blick auf ein wichtiges Weichenstellungsmoment im Werk des Philosophen, vor allem aber auch auf den Menschen Foucault.//


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