• Olivia Grove

Rezension: "Gegenlicht" von Patrick Wunsch



《《 R E Z E N S 1 O N 》》

"Gegenlicht: Romi & Nova" von Patrick Wunsch VÖ: 21. April 2020 ▪

|Nie könnte sie mit ihm korrespondieren, wie es in Absicht stand, zu groß der Stolz hinsichtlich ihrer Bildung, die Wertschätzung von Sprache, als dass ein solches Desaster von Text etwas anderes hätte erregen können als Zorn und Verachtung.| Zitat I


|Die Rebellion gegen das Regelwerk sei es also, schloss er, in der sich ein wahrer Künstler erkennen lässt.| Zitat II

Stilvoll, künstlerisch - mit außergewöhnlicher, lyrischer Tiefe

Rein intuitiv habe ich mit Patrick Wunschs zweitem Roman "Gegenlicht" begonnen, der nach eigener Aussage eine Art Zwillingswerk zu seinem Debüt "Zeichen von Herbst" darstellt. Beide Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden.

Wir begleiten einen intellektuellen Künstler und zwei junge Frauen - die man nicht hätte gegensätzlicher zeichnen können - auf einem unvergesslichen Roadtrip. Romi, Nova und Elias ergreifen mit dieser Reise zur Selbstfindung die Chance, ihr Wesen tiefer zu ergründen.


Der Autor verführt die Leser in eine Welt voller spannender Dialoge, Leidenschaft, politischer Kontroversen und literarischer Überspitzungen.

Wer sich nicht gern auf anspruchsvolle, intellektuelle Literatur einlässt, hat sicher jetzt schon aufgehört zu lesen, denn "Gegenlicht" ist ein geistiges Extrakt mit Bedeutung. Es zeigt sich im Gewand komplexer Satzstrukturen - beinahe extravagant. In diesem Werk steckt viel mehr als sorgfältig formulierte Provokationen, die den Leser in Verlegenheit bringen und gleichzeitig zur Selbsterkenntnis beitragen, die dabei stets anregend verpackt, ihre volle Wirkung entfalten.

Das Werk ist eine Expedition in kunstvolle Wortwelten. Die Gesellschaftskritik ist facettenreich gestaltet, gespickt mit Lebensklugheit, wobei Patrick selbstverständlich durchgehend ein hohes Niveau hält.

Wir erleben scharfsinnige literarische Ergüsse. Fantasievoll, humorvoll, sprach- und wortverliebt.

Diese fabelhafte Welt ist poetisch und dabei nicht minder politisch, analytisch, gar wissenschaftlich.

Philosophierend über Künste und Gelüste überzeugt die Geschichte mit so viel Wahrheit in den Zeilen als auch zwischen ihnen. So viel Caprice und Anmut. Ein sehr origineller und kluger Roman, Gänsehaut pur mit jeder Passage. Sprachlich auf jeder Seite ein Knüller.


Kurzum ein bemerkenswertes Literatur-Highlight fern des Mainstreams, das mir ein höchst kunstvolles Lesevergnügen beschert hat.

Alles ist reine Geschmackssache und dieses Werk wird nicht jedermann ansprechen. Soll es auch nicht. Dafür liebe ich es!

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass sich Patrick und meine Wenigkeit sehr ähnlich sind, wenn man zwischen den Zeilen liest. Es war so, als ob er aus meiner Seele heraus schreibt.