• Olivia Grove

Rezension: "Hirn to go: Was wir von listigen Hirnforschern und smarten Prostituierten lernen können"

《 R E Z I 》


"Hirn to go: Was wir von listigen Hirnforschern und smarten Prostituierten lernen können" von Julia Reichert

VÖ: 2. März 2022, Carl Ueberreuter Verlag, Wien

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Ein wildes Potpourri der Hirnforschung, but nothing really new

"Wieso to go? Manchmal muss es schnell gehen. Pizza, Cappuccino, Döner – wieso dann nicht auch eine Portion Hirnforschung to go? Gönn dir jeden Tag ein Kapitel Weisheit: kurz, prägnant, heiß und einfach zum Mitnehmen." (S. 12)

Die Autorin selbst hat Germanistik, französische Philologie und auch ein Jahr „kognitive Neurowissenschaften der Sprache“ (Master of Science) in San Sebastián, Spanien studiert.


In ihrem Buch schreibt Julia Reichert interessant und erfrischend in prägnantem Ratgeber-Stil u. a. über Neurowissenschaften, Psychologie, Gesundheit, Gesellschaft und Digitalisierung. Dabei gibt sie dem Leser allerlei Ratschläge an die Hand, mit denen auch ich mich nicht immer identifizieren konnte. Gezielt polarisierende Headlines wie bspw. "Sei depressiv" resonieren in mir nicht, diese sehe ich eher kritisch. Ebenso bin ich bei ihren subjektiven Ausführungen zur Bedeutung des Traums und der Seele komplett anderer Meinung – sehe hier eine spirituelle Dimension als weitere Perspektive.

Wenn man viele Themen kurz anreißt, entsteht der Eindruck der Oberflächlichkeit und Eindimensionalität. Hier hätte ich mir mehr Sichtweisen gewünscht.

Dennoch ist "Hirn to go" einen Blick wert, denn es spricht bedeutsame Themen an, die uns alle betreffen:


"Aus irgendeinem Grund ist Schlafen, Dösen und Pausieren total uncool. Sich zu Tode zu rackern und sich nach kaum fünf Stunden Schlaf mit einem Coffee to go in der Hand in die U-Bahn zu quälen, hat sich im westlichen 21. Jahrhundert zum neuen Status Quo etabliert." (S. 22)

Auch der Umgang mit Social Media bleibt nicht unerwähnt:


"Folge mir nicht! Einfach mal zu einer virtuellen Freundschaft Nein sagen.
Instagram funktioniert deshalb so gut, weil wir alle unter der Angst leiden, unwichtig zu sein." (S. 84)

Diese Einstellung ist ein wichtiger Impuls, ebenso WhatsApp, Instagram & Co. zu löschen.


"Das Handy fungiert als Herzschrittmacher ersterbender Gesprächskultur der Postmoderne." Prof. Dr. Peter Cerwenka (S. 138)

Insgesamt ist das Buch unterhaltsam und spritzig, auch wenn für mich persönlich nichts wirklich Neues dabei war, was mich überrascht oder begeistert hat. Ein flotter, populärwissenschaftlicher Lebensratgeber für Einsteiger mit allerlei fun facts to go.

⭐⭐⭐,5

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//So „tickt“ unser Hirn! Mit diesem Buch können wir die Prozesse in unserem Gehirn und unserer Gefühlswelt nachvollziehen und beeinflussen. Eine Portion Neurowissenschaft zum Mitnehmen – das ist „Hirn to go“. Kurzweilig, leicht verständlich und unterhaltsam geschrieben! Der Mensch – die Krönung der Schöpfung, schön wär’s! Er ändert ständig seine Meinung und ist imstande, sich selbst und andere zu belügen. Vor allem aber versteht er sich selbst kaum. Unser Gehirn ist kompliziert. „Hirn to go“ erklärt aus neurowissenschaftlicher Sicht, warum wir uns unsere Probleme selbst aussuchen, stets nörgeln, obwohl es uns unglücklich macht, warum Männer in Verhandlungen meist selbstbewusster auftreten als Frauen, Depressionen praktisch sind und weshalb wir vergessen, was wir vorgestern gefrühstückt haben. Was rosa Katzen mit Erfolg zu tun haben, wie Kühe Depressionen heilen können und warum Gehirnzellen wie ein Orchester funktionieren. Das Buch hilft, uns und unser Verhalten besser zu verstehen. Denn was wäre, wenn wir die Prozesse in unserem Gehirn und unserer Gefühlswelt nachvollziehen könnten? Wir könnten Einfluss auf unser Fühlen und Handeln nehmen und die Dinge, die uns schon lange ärgern, endlich verändern.//


 

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