• Olivia Grove

Rezension: "Neun Fremde" von Liane Moriarty



《《 R E Z E N S 1 O N 》》

"Neun Fremde" von Liane Moriarty VÖ: 8. März 2021

Ausgeklügeltes Psycho-Experiment


*absolut spoilerfrei, wie ihr es von mir gewohnt seid*


Ich liebe dieses Cover. Es schreit geradezu: Urlaubsfeeling!

Geschrieben ist »Neun Fremde« von Liane Moriarty, der Bestseller-Autorin von »Big Little Lies«, wobei der englische Originaltitel »Nine Perfect Strangers« den Kernpunkt der Story tatsächlich besser trifft.

Ich bin sehr zwiegespalten, was die Umsetzung betrifft.

Die Idee ist brillant (5 Sterne), allerdings hoffe ich, dass die Plot-Twist-Thematik auf die Leserschaft nicht allzu verherrlichend wirkt, da trotz kritischer Meinungen mancher Protagonisten, es viel zu glorifizierend erscheint. Ich erachte die Darstellung dieses Aspekts im Roman als höchst bedenklich, da mir die differenzierten Töne gefehlt haben, insbesondere vielleicht auch eine Stellungnahme der Autorin am Ende oder eine Triggerwarnung.


Rein vom Gefühl her wollte ich am liebsten selbst für ein zehntägiges ganzheitliches Cleansing in diesem besonderen Wellnessresort sein. Anfangs.

Die neun Namen der Gäste und die der Angestellten waren für mich persönlich recht schwer zu merken, doch die Charaktere sind ausgezeichnet und differenziert beschrieben. Absolut scharfsinnig! All die Gäste sind im Ressort, um sich auf eine Art zu verändern, die sie laut Ressortleitung Masha niemals für möglich gehalten haben. Es scheint recht ambitioniert von ihr, in so kurzer Zeit den Schmerz der Gäste mithilfe von - sagen wir es mal so - facettenreichen Therapien offenzulegen und ihre Fassade zu demontieren, gar einen neuen Menschen aus ihnen zu machen. Während der Story erfährt man sehr viel über Menschen im Allgemeinen, wie sie ticken und denken, mit all den Gesellschaftsnormen, inneren Zwängen und Zweifeln.


Die Autorin schreibt interessant, mal mit Wortwitz, mal tragisch ernst. Ich bin innerhalb von zwei Tagen richtig schnell hindurch geflogen, weil ich so auf Spannung getriggert war, obwohl es die ein oder andere Länge gab. Auch der Anfang ist recht schleppend zu lesen, aber es wird schon bald fesselnder.

Ich habe den Wendepunkt nicht kommen sehen, dieser ist sehr klug und charmant. Ein paradoxer Trip, im wahrsten Sinne des Wortes. So manch ein Rezensent bemängelt, dass die Geschichte an den Haaren herbeigezogen sei. Diese Meinung teile ich nicht, da die im Buch geschilderte Verfahrensweise sicher längst praktiziert wird.


Ich bin absolut begeistert von der Romanidee und freue mich auf die Verfilmung, dennoch gebe ich aufgrund der unreflektierten, verherrlichenden Darstellung nur drei Sterne.


⭐⭐⭐

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кℓαρρєηтєχт:

//Neun Fremde und zehn Tage, die alles verändern: In einem abgelegenen Wellness-Resort treffen fünf Frauen und vier Männer aufeinander, die sich noch nie zuvor begegnet sind. Sie alle sind in einer Krise und wollen ihr altes Leben hinter sich lassen. Bald schon brechen alte Wunden auf und lang gehütete Geheimnisse kommen ans Licht. Denn nichts ist so, wie es scheint in Tranquillum House …//