• Olivia Grove

Rezension: Oliver Schütte: »Schau mir in die Augen, Kleines« – Die Kunst der Dialoggestaltung

《 R E Z I 》


Oliver Schütte: »Schau mir in die Augen, Kleines« – Die Kunst der Dialoggestaltung (Praxis Film)

VÖ: 2016, Neuauflage 19. Januar 2022, Herbert von Halem Verlag, Köln [wissenschaftlicher Verlag]

• •

Dialoge sollten Ausdruck eines Kampfes sein – Argumente, wie in einem Schwertduell

Dieses Werk ist für mich ein Must-read für jeden Autoren, nicht nur für Drehbuchautoren. In dieser tiefgreifenden Lektüre lernen wir alle kostbaren Aspekte des Schreibhandwerks, spezialisiert auf die Kunst der Dialoggestaltung. Was wohl das wichtigste Element darstellt, denn ein schlechter Dialog wird immer bemerkt. Wir erfahren, wie wir gute Dialoge in sehr gute Dialoge voller Kraft, Dynamik und Tiefe verwandeln können. Auf jeder einzelnen Seite des Praxisbuchs habe ich wertvolle Impulse entdeckt, die ich mir direkt markiert habe.


Was dieses Buch für mich besonders macht: Eine Flut von Dialogszenen – bspw. aus "Django Unchained" (Quentin Tarantino), "Fargo" (Joel & Ethan Coen) oder "Silver Linings" (David O. Russell) – dienen uns als exzellente Beispiele.

Diese Original-Szenen werden größtenteils in ihrer Originalsprache Englisch zitiert, weil der Rhythmus, die Wortwahl und der Satzbau das Entscheidende sind. (Die Übersetzungen der englischsprachigen Texte kann man im Internet downloaden.) Beim Drehbuch- und Dialoganalysieren geht es wie in der Malerei nicht darum, die Meister zu kopieren, sondern ihr Handwerk und ihre künstlerischen Ausdrucksformen zu lernen.


Doch das Fachbuch taucht nicht nur in die Welt der Dialoge ab, denn um diese überhaupt wirkungsvoll zu gestalten, braucht es lebendige, authentische Charaktere. Um sie zu konzipieren, ist es ratsam, keine Biografien, sondern Autobiografien zu schreiben, in der die Figur selbst eine persönliche Einschätzung ihres eigenen Lebens mit emotionalen Kommentaren versieht. Zusätzlich kann man mit seinen Protagonisten Interviews führen. Darin sollte es weniger um die Lieblingsfarbe gehen, sondern eher um ihr Seelenleben, z. B. ihr größtes Unglück. Dabei orientiert man sich am investigativen Journalismus oder am psychologischen Gespräch, so der Autor.


Außerdem erfahren wir in »Schau mir in die Augen, Kleines« nützliche Tipps zum Subtext, Szenenaufbau, Nachklangszenen, Dialogtechniken, Dynamik, Metaphern, Klischeefallen und auch über erzählerische Strategien beim Voice-over. Dafür zeigt uns Oliver Schütte Fallbeispiele für die Verwendung von Voice-over u. a. aus "Berlin Alexanderplatz", "House of Cards" oder "American Beauty".

Bis zum Ende habe ich die Passagen mit eifrigem Wissensdurst und Spannung studiert, die allesamt inspirierend und horizonterweiternd sind. Von mir gibt es dafür eine absolute Leseempfehlung, sowohl für Profis als auch Newcomer.

Der Autor wünscht sich, dass sein Werk nach dem Lesen nicht im Schrank verschwindet, sondern uns als Handbuch für die tägliche Arbeit an unseren Büchern dient. Ich persönlich bin begeistert von dem Wissensinput und werde das Praxisbuch immer wieder gern zur Hand nehmen, um wertvolle Inspirationen darin zu entdecken.

⭐⭐⭐⭐⭐ • • • кℓαρρєηтєχт:


//Gute Dialoge zu schreiben ist für jeden Drehbuchautor eine Herausforderung und muss ständig aufs Neue trainiert werden: Der Dialog ist neben den visuellen Ausdrucksformen das ultimative Mittel, um Figuren Leben einzuhauchen und Szenen packend, rührend oder witzig zu gestalten. - Der erfahrene Autor und Dramaturg Oliver Schütte zeigt, wie Sie wirkungsvolle und spannende Dialoge schreiben und wie Produzenten, Redakteure und Script Consultants effektiv mit Autoren an Dialogen arbeiten können. Ob 10-minütige Webserie oder 50-stündiges TV-Format: Jedes Werk bringt neue Figuren mit neuen Herausforderungen an die Art und Weise, wie die Dialoge gestaltet werden. Dieses Buch gibt für alle Projekte Hinweise, wie Sie sich den Dialogen nähern können.//


 

Dir gefällt mein Content? Dann supporte mich & wenn du Lust hast, spendiere mir einen Matcha Chai Latte.

Wir sehen uns auf Instagram!