• Olivia Grove

Rezension: "Zeichen von Herbst" von Patrick Wunsch



《《 R E Z E N S 1 O N 》》 "Zeichen von Herbst" von Patrick Wunsch VÖ: 21 Januar 2020 ▪

|Sie wissen nichts von der Verschmelzung der Seelen im Duft des Frühlings, nichts von der wiegenden Wärme synchron pulsierender Herzen an einem lauen Sommerabend, nichts von wortlos geteiltem Weltschmerz in den Schatten des dämmerfarbenen Herbstlaubs und nichts von Küssen, die kristallene Wälder in Flammen setzten.| Zitat I ▪ |Und überhaupt«, murmelte sie, »wozu sollten wir überhaupt noch Künstler sein wollen?« Ihre Stimme wirkte trauriger denn je, als hätte sie die Melancholie des Gesprächs aufgesogen, um die Essenz nun in wohlgewählte Worte zu gießen.| Zitat II ▪ ▪ ▪

Künstlerisch, extravagant - zutiefst poetische Wortmagie


Rein intuitiv hatte ich im Dezember 2020 mit Patrick Wunschs zweitem Roman "Gegenlicht" begonnen, der nach eigener Aussage eine Art Zwillingswerk zu seinem hier rezensierten Debüt "Zeichen von Herbst" darstellt. Beide Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden.

Womit soll ich beginnen...

Am liebsten hätte ich jede Zeile dieses Werkes markiert, so wunderschön sind die Worte! Wunderschön und tiefgreifend. Man könnte jede einzelne Passage optisch vergrößern und damit wohl ganze Vernissagen mit zart goldglänzenden Tafeln füllen. Auf jeden Fall sind sie nun verewigt an den Wänden meiner Seele, denn es sind Formulierungen für die Ewigkeit! Pure Kunst.

Dazu passend ein kleiner Auszug:

»Glückliche Menschen wissen nicht um die entsetzlichen Qualen des Künstlers, der das, was er sagen will – sagen muss! –, nicht in die richtigen Worte gekleidet kriegt, der tagein, tagaus an nichts anderes denkt als diesen einen Vers am Ende des Gedichts, diese eine Silbe, die zu füllen ist mit dem treffendsten Wort, das präzise zum Ausdruck bringt, was er fühlt, dem Wort für die Tränen, das Lächeln, den Schauer oder was auch immer es ist, das hervorzurufen ist, damit die Leute zur richtigen Erkenntnis über sich selbst gelangen.«


Wer sich nicht gern auf anspruchsvolle, intellektuelle Literatur einlässt, hat sicher jetzt schon aufgehört zu lesen.

Noch nie war ich von einem Schreibstil so angetan wie bei Patrick Wunsch - poetisch, mit unglaublich vielen intelligenten Metaphern. Gesellschaftskritisch, philosophisch, sprach- und wortverliebt. Ich bewundere es zutiefst, wie er mit den Wörtern umgeht.


Zusammenfassend darf ich sagen, dass mich dieser fantastische Roman mit allen Facetten begeistern konnte und mich einfach nur sprachlos gemacht hat. "Zeichen von Herbst" ist ebenso wie "Gegenlicht" ein bemerkenswertes literarisches Highlight fern des Mainstreams, das mir ein höchst kunstvolles Lesevergnügen beschert hat. Wenn ich für den Rest meines Lebens nur noch literarische Extrakte von einem einzigen Autor lesen dürfte, dann wäre es ganz klar Patrick Wunsch!

⭐⭐⭐⭐⭐